Moderne Wundversorgung

Gesetzentwurf zum GVWG: Nun zwei Jahre Zeit für Nutzennachweis?

ÄrzteZeitung Online vom 17.12.2020

Im Gesetzentwurf zum GVWG strebt die Bundesregierung eine längere Übergangsfrist für die Erstattungsfähigkeit bestimmter Wundversorgungsprodukte an – und einen neuen Stichtag.

Der Widerstand der Anbieter moderner Wundversorgungsprodukte gegen eine einjährige Frist, um dem GBA gegenüber für bestimmte silber- oder PHMB-haltige Wundauflagen einen Nutzennachweis zu erbringen, trägt offenbar erste Früchte. In dem am Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedeten Gesetzentwurf zum Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) will die Bundesregierung den Herstellern nun eine zweijährige Übergangsfrist einräumen, statt der bisher vorgesehenen 12 Monate. Somit hätten die Anbieter nun bis zum 1. Dezember 2022 Zeit, im Sinne des entsprechenden GBA-Beschlusses zu Verbandmitteln und sonstigen Produkten zur Wundbehandlung den Nutzennachweis zu erbringen, der Voraussetzung für die Erstattung ist. Die entsprechende Regelung findet sich in Paragraf 31.

Ebenfalls geändert hat sich im Gesetzentwurf der Stichtag für die betroffenen Produkte. Aktuell sieht die Regelung vor, dass moderne Wundversorgungsprodukte, die vor dem 11. April 2017 am Markt eingeführt wurden, von der einjährigen Übergangsfrist profitieren. Die neueren Produkte sind direkt aus der Erstattungsfähigkeit gefallen.

Ebenfalls in Paragraf 31 soll nun laut Entwurf geregelt werden, dass die Übergangsfrist mit dem Stichtag des Inkrafttretens der GBA-Richtlinie, also dem 2. Dezember 2020, wirksam wird.

Quelle: ÄrzteZeitung Online vom 17.12.2020
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Homecare-Kongress des BVMed | Hilfsmittel-Leistungserbringer bei den Rettungsschirmen einbeziehen und ambulante Versorgung stärken

    Die Gesundheitsversorgung soll und muss ambulanter werden. Für eine wohnortnahe Versorgung braucht es eine gute Koordinierung und spezialisierte Fachkräfte. Homecare-Versorger und Hilfsmittel-Leistungserbringer sind hier ein wesentlicher Bestandteil, die die Versorgung der Patient:innen in der Häuslichkeit sicherstellen, so die Expert:innen des 9. Homecare-Management-Kongresses des BVMed. BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll kritisierte, dass bei den verschiedenen Rettungsschirmen der letzten Jahre „Homecare aber regelmäßig vergessen wird“. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche bemerkte, dass Homecare als wichtiger Akteur „besser auf dem Schirm der Politik“ sein müsse. Die SPD-Abgeordnete Martina Stamm-Fibich bezeichnete Homecare als „unsere Chance“, um Menschen in der Häuslichkeit gut zu versorgen. Für Simone Borchardt von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird Homecare eine Schlüsselrolle bei der Ambulantisierung und der Versorgung der Menschen in der Häuslichkeit spielen: „Homecare ist Zukunft“. Mehr

  • BVMed-Forum „Eine Stunde Wunde“ | Spezialisierung ist gut – mit Daten noch besser?

    „Wir brauchen für eine flächendeckende Wundversorgung in den Kollektiv- und Einzelverträgen neue Kriterien und neue Vergütungssätze. Insbesondere der Faktor Zeit muss auch an chronische und schwer heilende Wunden angepasst werden“, so das Fazit von André Lantin, Geschäftsführer der WZ-WundZentren in Düsseldorf, auf dem BVMed-Gesprächsforum „Eine Stunde Wunde“. Aus Sicht von BVMed-Expertin Juliane Pohl funktionieren neue Konzept der spezialisierten Wundbehandlung sehr gut. „Jetzt müssen die Rahmenempfehlungen der Spitzenverbände in die Versorgungsverträge Einzug finden, um eine qualitative und zeitgemäße Patient:innenversorgung zu ermöglichen.“ Hier spielen auch digitale Anwendungen wie Videosprechstunde und Telemedizin eine wichtige Rolle: Denn sie fördern interdisziplinäre Arbeit. Strukturierte Daten könnten zudem einen Beitrag leisten, Qualität und Effektivität der Versorgung zu stärken und Versorgungslücken zu schließen. Sie ermöglichen darüber hinaus eine bessere Versorgungsforschung. Mehr

  • BVMed-Forum „Eine Stunde Wunde“ | „Stärkung einer interdisziplinären Gesundheitsversorgung ist unerlässlich“

    Damit Pflege künftig mehr Verantwortung übernehmen und interdisziplinär in Zusammenarbeit mit Ärzt:innen und anderen Leistungserbringern arbeiten kann, braucht es neben der strukturierten Qualifizierung einen rechtlichen Rahmen, um die Rollen in der Gesundheitsversorgung zu definieren. Das erklärt Annemarie Fajardo, Vizepräsidentin des Deutschen Pflegerats, in ihrem Impulsvortrag beim BVMed-Gesprächsforum am 6. September 2022. Dabei sei insbesondere bei komplexen Fällen in der Wundversorgung eine interdisziplinäre Zusammenarbeit besonders effektiv. Prof. Dr. med. Martin Storck, Direktor der Klinik für Gefäß- und Thoraxchirurgie des Städtischen Klinikums Karlsruhe, bestätigt aus eigener Erfahrung: „Das ist das beste Vorgehen. Und das zu etablieren, sehe ich als wichtige Aufgabe an“. „In der Wundversorgung haben wir dafür eine gute Startposition“, so Sonja Laag von der Barmer. „Denn in der pflegerischen Wundversorgung gibt es bereits Wundexpert:innen, die für die Modellvorhaben zur Heilkundeübertragung eingesetzt werden könnten.“ BVMed-Expertin und Moderatorin Juliane Pohl: „Wir sehen die Notwendigkeit einer interdisziplinären Versorgung und sind auch auf dem richtigen Weg, dazu ist jedoch ein Zusammenwirken der verschiedenen Professionen zwingend erforderlich. Das sollte möglichst bald umgesetzt werden." Mehr


©1999 - 2022 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik