Wundversorgung

BVMed-Forum „Eine Stunde Wunde“: Homecare kann ein professionelles Wundversorgungs-Management stützen

Spezialisierte Fachkräfte von Homecare-Unternehmen können gerade in strukturschwachen Regionen die Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden unterstützen und optimieren. Ziel ist ein „echtes Wundmanagement mit klaren Verantwortlichkeiten unter Einbeziehung der spezialisierten Homecare-Fachkräfte“, sagte Jana Künstner, Geschäftsführerin von Medizinische Pfade aus Rostock, auf dem digitalen BVMed-Forum „Eine Stunde Wunde“ mit rund 40 Teilnehmer:innen am 6. September 2023. Ihr Homecare-Unternehmen ist auf Wund- und Stomaversorgung spezialisiert. „Unsere spezialisierten Fachkräfte bieten den Betroffenen Hilfe in der Wundversorgung an, um lange Leidenswege zu verhindern“, so Künstner.

Der „Second Level Support“ der Homecare-Fachkräfte ist im Wundmanagement umso wichtiger, da die ersten Anlaufstellen wie Pflegedienste, Arztpraxen, Pflegeheime oder Kliniken unter Fachkräftemangel leiden. „Unsere Fachkräfte beschäftigen sich den ganzen Tag mit chronischen Wunden – und mit den Strukturen und Randbedingungen, unter denen sie entstehen“, erläutert Homecare-Expertin Künstner.

Homecare begleitet Patient:innen dabei in Verbindung mit einer ärztlich verordneten Therapie, berät die Patient:innen, Angehörige und Pflegekräfte in der Klinik und im ambulanten Bereich bei der Anwendung von beratungsintensiven Verbandmitteln und versorgt die Patient:innen mit diesen Produkten. Das Wundmanagement umfasst also neben dem Kontakt zum Patienten, der Organisation des Versorgungsteams und der Dokumentation auch die Schulung und Beratung aller Beteiligten. „Wir brauchen hier ein koordiniertes Zusammenspiel auf Augenhöhe mit der Pflege und der Ärzteschaft. Wir therapieren durch gegenseitiges Informieren aller am Wundmanagement Beteiligten. Und wir kontrollieren regelmäßig die Wundsituation in der Wundvisite und passen die Therapie in Absprache mit dem behandelnden Arzt an, wenn Defizite erkannt werden“, so Jana Künstner. Sie ist dabei überzeugt, dass eine professionelle Wundberatung Kosten spart, Wunden besser heilen lässt und Schmerzen reduziert.

Wichtig ist ihr neben der Etablierung eines „Qualitätsleitfadens Wunde“ und der interdisziplinären Netzwerkarbeit auch die Optimierung der Prozesse durch gemeinsame digitale Lösungen, beispielsweise durch „Shared Documents“ in der Wunddokumentation. Dies kann gut gelingen, wenn die Rahmenbedingungen auch auf gesetzlicher Ebene dafür konkretisiert werden und eine Integration bestehender Fachexpert:innen vorgenommen wird.

Über „Eine Stunde Wunde“

Wundversorgung kann nur interdisziplinär funktionieren, daher muss auch der Diskurs dazu interdisziplinär sein. Aus diesem Grund hat der BVMed das Gesprächsformat „Eine Stunde Wunde“ ins Leben gerufen. Das virtuelle Forum diskutiert alle zwei Monate die unterschiedlichen Themen der Wundversorgung. „Wir streben einen möglichst breiten Austausch zwischen allen Beteiligten in der Behandlung, Pflege und Versorgung von Wunden an. Unser Fokus ist eine gezielte, praxisnahe Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema, die sicherlich auch interessante Perspektivwechsel ermöglicht. Interessierte sind eingeladen, nicht nur daran teilzunehmen, sondern auch sich mit Themen einzubringen“, so BVMed-Wundexpertin Miriam Rohloff, die das Forum moderierte.

Der BVMed repräsentiert über 300 Hersteller, Händler und Zulieferer der Medizintechnik-Branche sowie Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger. Die Medizinprodukteindustrie beschäftigt in Deutschland über 250.000 Menschen und investiert rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei über 38 Milliarden Euro, die Exportquote bei 67 Prozent. Dabei sind 93 Prozent der MedTech-Unternehmen KMU. Der BVMed ist die Stimme der deutschen MedTech-Branche und vor allem des MedTech-Mittelstandes.
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