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Wund-DACH-Dreiländerkongress in Friedrichshafen: Hydroaktive Wundauflagen bieten 52 Prozent bessere Heilungschancen

"Die Abheilungschance bei modernen Wundauflagen ist im Schnitt 52 Prozent besser als beim Einsatz traditioneller Verbandmittel", so das Ergebnis einer neuen Studie, die Kristina Heyer, wissenschaftliche Projektleiterin des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, auf dem 1. Wund-DACH-Dreiländerkongress in Friedrichshafen vorstellte.

Die Behandlung chronischer Wunden ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden: Zum einen führt der demographische Wandel zu einer höheren Nachfrage nach Wundtherapien. Mit höherem Alter werden die chronischen Wunden häufiger. Dadurch wächst der Bedarf an entsprechenden Auflagen. Gleichzeitig erhöht der medizinisch-technische Fortschritt die Heilungschancen – auch für Patienten mit chronischen Wunden.

Bisher wurde die Studienlage zur Evidenz der Wirksamkeit hydroaktiver Wundauflagen problematisch gesehen. Auf dem 1. Wund-DACH-Dreiländerkongress, der vom 10. bis 12. Oktober 2013 in Friedrichshafen stattfand, stellte Kristina Heyer die Ergebnisse einer Metaanalyse von Prof. Dr. Matthias Augustin, Kristina Heyer und Dr. Stephan Rustenbach vor, die die Vorteile hydroaktiver Wundauflagen gegenüber traditionellen Verbandmitteln klar dokumentiert.

Im Vergleich zu den bisher publizierten Metaanalysen wurden in der aktuellen Untersuchung publizierte Studien zu Patienten mit chronischen Wunden jeder Art eingeschlossen, bei denen eine hydroaktive Wundbehandlung angewendet wurde. Neben randomisiert kontrollierten Studien wurden auch kontrollierte sowie unkontrollierte Beobachtungsstudien, wie zum Beispiel Fall-Kontroll-Studien, berücksichtigt. Metaanalytische Methoden wurden angewendet, um die Wirksamkeit hydroaktiver und passiver Wundauflagen zur Wundheilung zu vergleichen. Insgesamt wurden 170 klinische und Beobachtungsstudien mit 22.492 chronischen Wunden ausgewertet.

Dabei zeigte sich unter Berücksichtigung kontrollierter Studien eine signifikante Erhöhung der Abheilungschance von 52 Prozent bei Behandlung mit hydroaktiven gegenüber konventionellen (passiven) Wundauflagen. Unter Berücksichtigung auch der nicht kontrollierten Studien betrug die Abheilungsrate 33 Prozent. Die Überlegenheit hydroaktiver Wundauflagen war dabei unabhängig von der Durchführung einer Kausaltherapie. Dennoch stellt die Kausaltherapie immer eine Grundvoraussetzung für die Wundheilung dar.

"Nach der nun vorliegenden Metaanalyse sind hydroaktive Wundauflagen den passiven Wundauflagen hinsichtlich der Abheilung deutlich überlegen", so Heyer.
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